Welche Pferdedecke passt zu welcher Temperatur? Der Ratgeber für Pferdebesitzer
Die richtige Pferdedecke für jede Jahreszeit: So findest du die passende Füllung, schützt dein Pferd vor Regen und Kälte und misst die optimale Deckengrösse.
Wenn die Tage kürzer werden, die Temperaturen sinken und der Herbstregen einsetzt, stellt sich für viele Pferdebesitzer jedes Jahr dieselbe Frage: Braucht mein Pferd eine Decke – und wenn ja, welche?
Ob leichte Regendecke , kuschelige Stalldecke , warme Winterdecke oder atmungsaktive Abschwitzdecke : Die Auswahl ist gross. Doch nicht jede eignet sich für jedes Pferd und jede Wetterlage. Denn entscheidend sind nicht nur die Aussentemperatur, sondern auch das Fell, die Schur, das Alter, die Gesundheit und die Haltungsform des Pferdes.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Pferdedecke wann sinnvoll ist, welche Füllung zu welcher Jahreszeit passt, worauf du bei wasserdichten Modellen achten solltest und wie du die richtige Grösse ermittelst.
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1. Warum brauchen Pferde überhaupt eine Decke?
Pferde sind von Natur aus erstaunlich gut an unterschiedliche Temperaturen angepasst. Ihr Fell bildet eine isolierende Luftschicht, die vor Kälte schützt. Bei trockenem Wetter und ausreichend Bewegungsmöglichkeiten kommen viele gesunde, ungeschorene Pferde deshalb auch im Winter ohne Decke aus.
Es gibt jedoch Situationen, in denen eine zusätzliche Schutzschicht sinnvoll sein kann.
Eine Pferdedecke kann besonders hilfreich sein, wenn …
- das Pferd geschoren ist und dadurch einen Teil seines natürlichen Kälteschutzes verloren hat.
- es älter, gesundheitlich angeschlagen oder besonders kälteempfindlich ist.
- es bei kaltem, windigem und nassem Wetter längere Zeit draussen steht.
- es wenig Winterfell entwickelt oder aufgrund seiner Haltung besonderen Schutz benötigt.
- es nach dem Training geschwitzt hat und kontrolliert trocknen soll.
Wichtig ist dabei: Nicht jedes Pferd braucht eine Decke. Ein robustes Pony mit dichtem Winterfell hat andere Bedürfnisse als ein voll geschorenes Sportpferd.
Auch das richtige Mass ist entscheidend. Zu warme Decken können zu Schwitzen und Hitzestau führen. Eine ungeeignete Passform kann Druckstellen und Scheuerstellen verursachen.
Unser Tipp: Beobachte dein Pferd regelmässig. Fühlt sich die Haut unter der Decke angenehm warm und trocken an? Ist das Fell feucht, schwitzt das Pferd oder wirkt es unwohl, sollte die Deckenwahl überprüft werden.
2. Welche Pferdedecke passt zu welcher Temperatur?
Die passende Decke hängt immer vom individuellen Wärmebedarf des Pferdes ab. Die folgende Tabelle bietet dir eine erste Orientierung für die Auswahl.
|
Aussentemperatur |
Mögliche Deckenwahl |
Für welche Pferde? |
|
Über 15 °C |
Meist keine Wärmedecke |
Gesunde, ungeschorene Pferde; bei Regen eventuell eine leichte Regendecke |
|
10 bis 15 °C |
0 oder 50 g |
Geschorene, empfindliche Pferde oder bei anhaltendem Regen und Wind |
|
5 bis 10 °C |
0 bis 100 g, teilweise 150 g |
Je nach Schur, Fell und Wetter |
|
0 bis 5 °C |
100 bis 200 g |
Geschorene oder kälteempfindliche Pferde |
|
−5 bis 0 °C |
150 bis 300 g |
Je nach Fell, Haltung, Wind und Nässe |
|
Unter −5 °C |
200 bis 400 g oder individuell abgestuft |
Vor allem geschorene, ältere oder besonders kälterempfindliche Pferde |
Diese Angaben sind Richtwerte und keine festen Regeln. Ein ungeschorenes Pferd mit dichtem Winterfell kann bei Minusgraden ohne Decke auskommen, während ein geschorenes Pferd bereits bei deutlich milderen Temperaturen zusätzlichen Schutz benötigt.
Warum ist die Temperatur allein nicht entscheidend?
Stell dir zwei Pferde bei 5 °C vor: Das eine lebt ganzjährig im Offenstall, hat ein dichtes Winterfell und kann sich frei bewegen. Das andere ist geschoren, wird täglich trainiert und steht nachts in einer zugfreien Box.
Obwohl beide Pferde derselben Temperatur ausgesetzt sind, können sie einen völlig unterschiedlichen Wärmebedarf haben.
Auch Regen und Wind spielen eine wichtige Rolle. Ein trockenes Pferd verträgt Kälte oft besser als ein Pferd, dessen Fell über Stunden durchnässt wird.
Merke: Entscheide nicht nur nach dem Thermometer, sondern immer nach Pferd, Fell, Haltung und Wetter.
3. Welche Füllung passt zu welcher Jahreszeit?
Die Füllung einer Pferdedecke wird üblicherweise in Gramm pro Quadratmeter angegeben. Je höher die Grammzahl, desto stärker ist die Wärmedämmung in der Regel.
0 g – ungefüttert und vielseitig
Eine Decke mit 0 g Füllung bietet kaum zusätzliche Wärmeisolierung. Sie eignet sich vor allem als Wetterschutz, sofern das Material entsprechend ausgelegt ist.
Typische Einsatzbereiche:
- milde Herbst- und Frühlingstage
- regnerisches Wetter bei wenig zusätzlichem Wärmebedarf
- Schutz vor Wind und Nässe auf der Weide
- leichte Outdoordecken für den Sommer
Wichtig: Eine 0-g-Decke ist nicht automatisch wasserdicht. Achte auf die Produktbeschreibung.
50 bis 100 g – ideal für die Übergangszeit
Leicht gefütterte Decken sind besonders im Herbst und Frühjahr beliebt. Sie bieten etwas zusätzliche Wärme, ohne gleich so stark zu isolieren wie eine dicke Winterdecke.
Sie passen beispielsweise zu geschorenen oder empfindlichen Pferden bei kühlem, feuchtem Wetter.
Produkt-Tipp: Die RugBe Weidedecke 100 g kombiniert eine leichte Thermovlies-Füllung mit einem robusten Aussenmaterial. Laut Produktbeschreibung ist sie wasserabweisend und atmungsaktiv – eine interessante Option für feuchte, nicht allzu kalte Tage.
150 bis 200 g – für kühlere Herbst- und Wintertage
Diese Füllstärken bieten mehr Wärme und kommen häufig bei geschorenen Pferden, empfindlichen Tieren oder bei kühleren Temperaturen zum Einsatz.
Ob 150 oder 200 g die richtige Wahl sind, hängt unter anderem davon ab, ob das Pferd draussen oder im Stall steht, wie dicht sein Fell ist und wie stark es dem Wind ausgesetzt ist.
300 g– für einen höheren Wärmebedarf
Eine 300-g-Decke eignet sich für Pferde, die bei winterlichen Bedingungen deutlich mehr Wärme benötigen. Dazu können vollgeschorene Pferde, ältere Tiere oder besonders kälteempfindliche Pferde gehören.
Produkt-Tipp: Bei Reitsport.ch findest du Winterdecken mit 300 g Füllung von verschiedenen Herstellern, beispielsweise Bucas, Horseware, Kentucky und Waldhausen.
400 g – für besonders kalte Bedingungen
Sehr dicke Decken kommen vor allem bei hohem Wärmebedarf infrage. Sie sind nicht automatisch die beste Wahl für jedes Pferd, auch nicht bei starkem Frost.
Wer eine dicke Decke verwendet, sollte regelmässig kontrollieren, ob das Pferd darunter trocken bleibt und nicht übermässig schwitzt.
Praktisch: das Lagenprinzip
Wer flexibel auf wechselnde Temperaturen reagieren möchte, kann ein Deckensystem mit austauschbaren Unterdecken wählen. So lässt sich die Wärmeisolierung anpassen, ohne für jede Temperatur eine vollständig neue Outdoordecke zu benötigen.
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4. Wann ist eine wasserdichte Pferdedecke sinnvoll?
Eine wasserdichte Pferdedecke ist besonders dann sinnvoll, wenn ein Pferd bei Regen und Wind längere Zeit draussen steht und zusätzlichen Schutz benötigt.
Das gilt beispielsweise für:
- geschorene Pferde auf der Weide
- ältere oder kälteempfindliche Pferde
- Pferde mit wenig Unterstellmöglichkeiten
- Tiere, die bei anhaltendem Regen schnell auskühlen
Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass kein Regen eindringt. Die Decke sollte auch atmungsaktiv sein, damit überschüssige Wärme und Feuchtigkeit nach aussen abgegeben werden können.
Wasserdicht, wasserabweisend oder atmungsaktiv?
Diese Begriffe solltest du unterscheiden:
Wasserdicht: Das Material ist dafür ausgelegt, das Eindringen von Wasser zuverlässig zu verhindern.
Wasserabweisend: Wasser perlt zunächst ab. Bei lang anhaltendem oder starkem Regen ist der Schutz jedoch begrenzt.
Atmungsaktiv: Wasserdampf kann aus dem Inneren nach aussen transportiert werden. Das hilft, Feuchtigkeit unter der Decke zu reduzieren.
Für eine Weidedecke sind alle drei Aspekte wichtig: Wetterschutz, Atmungsaktivität und eine gute Passform.
Produkt-Tipp: Die RugBe Weidedecke 100 g bietet laut Herstellerangaben eine Wassersäule von bis zu 5000 mm und eine Atmungsaktivität von 3000 g/m²/24 h. Prüfe vor dem Kauf, ob diese Schutzwerte für die Bedingungen deiner Weide ausreichen.
Noch mehr Auswahl findest du unter Weidedecken und Regendecken bei reitsport.ch.
5. Stall-, Weide- und Abschwitzdecke: Was ist der Unterschied?
Nicht jede Pferdedecke erfüllt dieselbe Aufgabe. Die drei wichtigsten Typen unterscheiden sich vor allem durch ihren Einsatzbereich und ihre Materialeigenschaften.
Die Stalldecke – für Wärme im Stall
Eine Stalldecke ist für den Innenbereich gedacht. Sie kann ein Pferd in einer Box warm halten, ist aber nicht automatisch für Regen, Matsch oder intensiven Weidegang geeignet.
Typische Merkmale:
- je nach Modell ungefüttert oder mit unterschiedlicher Wattierung
- weiche, komfortable Materialien
- auf den Einsatz im Stall ausgelegt
- normalerweise nicht für längere Aufenthalte im Regen bestimmt
Für wen eignet sie sich? Vor allem für geschorene oder kälteempfindliche Pferde, die im Stall zusätzlichen Wärmeschutz benötigen.
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Die Weidedecke – für draussen bei Wind und Wetter
Eine Weidedecke, auch Outdoordecke genannt, schützt das Pferd vor äusseren Witterungseinflüssen. Sie ist je nach Modell wasserdicht, winddicht und atmungsaktiv und besteht in der Regel aus einem strapazierfähigeren Aussenmaterial.
Typische Merkmale:
- wetterfestes Aussenmaterial
- je nach Modell 0 g bis 400 g oder mehr Füllung
- für Bewegung und Weidegang konzipiert
- häufig mit Kreuzgurten, Beinschnüren oder Schweifriemen ausgestattet
Für wen eignet sie sich? Für Pferde, die bei entsprechendem Wärmebedarf draussen stehen und Schutz vor Nässe, Wind oder Kälte benötigen.
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Die Abschwitzdecke – nach dem Training
Nach dem Reiten ist das Pferd häufig verschwitzt. Wenn es anschliessend in kühler Umgebung steht, kann eine Abschwitzdecke dabei helfen, Feuchtigkeit vom Körper wegzuleiten und ein kontrolliertes Abtrocknen zu unterstützen.
Typische Merkmale:
- atmungsaktive, feuchtigkeitsableitende Materialien
- häufig Fleece, Jersey oder Mesh
- in der Regel ohne wärmende Wattierung
- für Stall, Transport oder Turnier geeignet
Eine Abschwitzdecke ist keine gewöhnliche Winterdecke und ersetzt keinen Regenschutz. Das Pferd sollte nach dem Trocknen entsprechend seiner Bedürfnisse weiter versorgt werden.
Produkt-Tipp: Die Horseware Abschwitzdecke Rambo Airmax verfügt über ein atmungsaktives 3D-Airmesh-Material und eine feuchtigkeitsableitende Innenseite. Sie eignet sich laut Produktbeschreibung unter anderem nach dem Training oder auf Reisen.
Weitere Modelle findest du unter Abschwitzdecken bei Reitsport.ch .
6. Wie misst man die richtige Pferdedeckengrösse?
Die richtige Grösse ist mindestens so wichtig wie die passende Füllung. Eine zu kleine Decke kann an Brust und Schultern einengen. Eine zu grosse Decke kann verrutschen, Falten bilden oder zu Scheuerstellen führen.
So misst du dein Pferd richtig
- Stelle dein Pferd gerade auf einen ebenen Untergrund.
- Verwende ein flexibles Massband.
- Miss die Rückenlänge beziehungsweise die für das jeweilige Grössensystem vorgesehene Strecke.
- Orientiere dich an der Grössentabelle des jeweiligen Herstellers.
- Probiere die Decke an und überprüfe den Sitz in Ruhe und in Bewegung.
Achtung: Hersteller verwenden teilweise unterschiedliche Messmethoden. Bei manchen Decken wird die Rückenlänge angegeben, bei anderen die Strecke vom Brustbereich bis zum hinteren Deckenabschluss. Die Grössenangabe ist deshalb nicht immer direkt vergleichbar.
Woran erkennst du, dass die Decke passt?
- Die Schulter kann sich frei bewegen.
- Der Widerrist wird nicht durch Druck belastet.
- Die Decke liegt ohne starke Falten auf.
- Der Brustverschluss sitzt sicher, ohne einzuengen.
- Der hintere Abschluss reicht ausreichend weit, ohne die Bewegung zu behindern.
- Die Gurte sitzen sicher und hängen nicht zu locker.
Kontrolliere nach dem Anlegen auch, ob sich die Decke beim Gehen, Wenden und Hinlegen verschiebt.
Unser Tipp: Kaufe nicht allein nach der bisherigen Deckengrösse. Der Schnitt unterscheidet sich von Marke zu Marke. Schau dir deshalb vor der Bestellung die Grössenangaben und Hinweise zum jeweiligen Modell an.
7. Die häufigsten Fehler beim Eindecken
Auch eine hochwertige Pferdedecke schützt nur dann optimal, wenn sie zum Pferd und zur Situation passt.
Diese Fehler solltest du vermeiden:
Fehler 1: Zu dick eindecken. Ein Pferd, das unter der Decke schwitzt, braucht möglicherweise weniger Füllung oder eine andere Lösung.
Fehler 2: Nur auf die Temperatur achten. Wind, Regen, Fell, Schur und Bewegungsmöglichkeiten sind genauso wichtig.
Fehler 3: Eine Stalldecke auf der Weide verwenden. Ohne geeigneten Wetterschutz kann sie sich mit Wasser vollsaugen und ihren Zweck verfehlen.
Fehler 4: Die Passform nicht kontrollieren. Scheuerstellen an Schulter, Brust oder Widerrist können durch ungeeignete Schnitte entstehen.
Fehler 5: Das Pferd unter der Decke nicht überprüfen. Fühle regelmässig am Körper, ob das Pferd trocken und angenehm warm ist.
Fehler 6: Eine nasse Abschwitzdecke liegen lassen. Sobald das Pferd getrocknet ist, sollte die Decke abgenommen oder durch eine passende trockene Decke ersetzt werden.
8. Welche Pferdedecke passt zu meinem Pferd? Die Checkliste
Bevor du dich für ein Modell entscheidest, beantworte diese Fragen:
- Ist mein Pferd geschoren oder ungeschoren?
- Steht es im Stall, im Offenstall oder auf der Weide?
- Wie dicht ist sein Winterfell?
- Ist es gesund, älter oder besonders kälteempfindlich?
- Benötigt es Wärme, Wetterschutz oder Hilfe beim Abschwitzen?
- Wie kalt, windig und nass ist es tatsächlich?
- Ist die Decke atmungsaktiv und für den geplanten Einsatz geeignet?
- Passt die Grösse zum Körperbau meines Pferdes?
Wenn du diese Punkte berücksichtigst, fällt es dir leichter, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, ohne dein Pferd unnötig warm einzudecken.
Fazit: Die beste Pferdedecke ist die, die wirklich zum Pferd passt
Ob leichte Regendecke, warme Winterdecke oder funktionale Abschwitzdecke – jede Deckenart hat ihren eigenen Zweck. Entscheidend ist, dass du die Bedürfnisse deines Pferdes kennst und die Decke passend zu Wetter, Jahreszeit, Haltung und Fell auswählst.
Ein gesundes Pferd mit dichtem Winterfell braucht oft weniger Unterstützung als ein geschorenes Sportpferd. Bei Regen und Wind kann eine geeignete Outdoordecke sinnvoll sein, während nach dem Training eine atmungsaktive Abschwitzdecke hilft, das Fell trocknen zu lassen.
Du suchst die passende Lösung für dein Pferd?
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Denn guter Schutz beginnt nicht mit der dicksten Decke, sondern mit der richtigen Wahl für dein Pferd.