So machst du deinen Weidezaun fit für die neue Saison
Dein Weidezaun für die neue Saison
Die Saison beginnt – Zeit für einen Check
Im März spürt man auf jedem Betrieb, dass die neue Weidesaison beginnt. Die Sonne gewinnt Kraft, der Boden trägt langsam wieder, und bald stehen die Tiere wieder draussen. Genau jetzt lohnt es sich, dem Weidezaun besondere Aufmerksamkeit zu schenken – bewusst, nicht zwischen Tür und Angel. Ein Elektrozaun funktioniert nur so gut, wie er vorbereitet wurde, und was im Frühling übersehen wird, begleitet einen oft den ganzen Sommer.
Das Herzstück der Anlage prüfen: das Weidezaungerät
Bevor auch nur ein Meter Litze gespannt wird, sollte klar sein, ob das Gerät sauber arbeitet. Klemme den Zaun ab und messe direkt am Ausgang mit einem digitalen Prüfgerät. Liegt die Spannung deutlich über 6000 Volt, ist die Basis in Ordnung. Liegt sie darunter, stimmt entweder etwas mit dem Gerät oder der Stromversorgung nicht.
- 230 Volt Geräte sind im Dauerbetrieb am zuverlässigsten. Keine leeren Batterien, keine Überraschungen.
- 12 Volt Akkugeräte mit Solarmodul sind ideal für abgelegene Flächen.
- 9 Volt Geräte eignen sich nur für kurze, überschaubare Zäune.
Entscheidend ist nicht nur die Voltzahl, sondern die Impulsenergie in Joule . Lange Zäune, viel Bewuchs oder robuste Tiere brauchen schlicht mehr Leistungsreserve.
Praxisbeispiel : Bei einem Kundenhof in der Ostschweiz hatten Schafe regelmässig den Zaun durchbrochen. Nach einem Test stellte sich heraus, dass das alte 9 Volt Gerät nicht genug Impulsenergie lieferte. Ein Upgrade auf ein 12 Volt Gerät mit Solarmodul und 5 Joule Impulsenergie löste das Problem sofort.
Erdung – der oft unterschätzte Schwachpunkt
Der Strom fliesst vom Gerät über den Zaun ins Tier und zurück durch die Erde. Ist der Rückweg schlecht, verpufft die Wirkung. Mehrere ausreichend lange Erdstäbe, korrekt gesetzt und möglichst in feuchtem Boden, machen einen grossen Unterschied. Rostfreie Verbindungen sind Pflicht. Gerade auf trockenen Flächen oder bei leistungsstarken Geräten darf man hier nicht sparen.
Praxisbeispiel: Auf einem sandigen Hof hatte ein Kunde trotz gutem Gerät nur geringe Spannung am Zaun. Nach Hinzufügen von zwei zusätzlichen Erdstäben und der Entfernung von Rost an den Verbindungen stieg die Spannung sofort und die Schafe blieben auf der Weide.
Leitermaterial & mechanische Kontrolle
Schau die Zaunlinie entlang: Litzen altern, Verbindungen lockern sich, Isolatoren bekommen Risse. Der elektrische Widerstand entscheidet darüber, wie viel Energie am Ende der Strecke ankommt. Hochwertige Litzen oder Bänder mit niedrigem Ohmwert zahlen sich besonders bei langen Zäunen aus.
- Bewuchs am unteren Leiter ist einer der häufigsten Spannungsfresser. Schon im März sollte dieser entfernt werden.
- Prüfe Eckpfähle, Drahtspannung, Torgriffe und Übergänge.
Praxisbeispiel : Ein Kunde berichtete, dass schon einzelne Grashalme im Frühjahr dafür sorgten, dass die Spannung an mehreren Stellen um mehrere hundert Volt fiel. Ein frühzeitiges Freischneiden verhinderte Ausbrüche im Sommer.
Tiergerecht und robust
Bei Pferden spielt die Sichtbarkeit des Zauns eine Rolle. Bei Schafen und Ziegen dagegen ist die Durchschlagskraft entscheidend, da dichtes Fell die Wirkung reduziert. Hier sollte die Hütespannung deutlich über 4000 Volt liegen. Wer im Herdenschutz unterwegs ist, setzt auf Plus/Minus-Netze, die auf trockenen Böden stärker wirken, sobald zwei Litzen gleichzeitig berührt werden. Unebenes Gelände erfordert stabile Netze und zusätzliche Pfähle.
Mobile Netze richtig einsetzen
Im Frühjahr sind Elektronetze beliebt, weil sie schnell aufgebaut sind. Doch auch hier gilt:
- Netz vollständig ausziehen
- Ecken stabilisieren
- Keine Schlaufen oder Durchhänger
Auf unebenem Gelände lohnt sich ein paar Minuten Extra-Aufwand, um die Spannung sauber zu halten.
Praxisbeispiel : Ein Kunde in Graubünden nutzte mobile Netze für seine Ziegen. Durch konsequentes Spannen und Stabilisieren der Ecken blieb der Zaun zuverlässig, selbst als das Gras wuchs und das Gelände uneben war.
Routinekontrolle – täglich zählt
Ein kurzer täglicher Blick auf Spannung und mechanischen Zustand verhindert die meisten Probleme, bevor sie entstehen. Auf die blinkende Kontrollleuchte am Gerät allein sollte man sich nicht verlassen – ein digitales Messgerät zeigt ehrlich, was am Zaun wirklich ankommt.
Jetzt ist der richtige Moment
März ist ideal für die grosse Bestandsaufnahme. Noch sind die Flächen überschaubar, das Gras wächst noch nicht kräftig, und Reparaturen lassen sich in Ruhe erledigen. Wer jetzt sauber arbeitet, spart später viel Stress. Ein gut vorbereiteter Zaun bedeutet weniger Ausbrüche, weniger Diskussionen mit Nachbarn und mehr Sicherheit für Mensch und Tier.
Fazit
Ein Elektrozaun ist kein simples Stück Draht, sondern ein durchdachter Stromkreislauf. Gerät, Erdung, Leitermaterial und Mechanik müssen zusammenspielen. Wer alles sauber vorbereitet, startet entspannt in die Saison, egal ob Pferde, Rinder, Schafe oder Geflügel auf der Weide sind.