Sattelprobleme beim Pferd erkennen und vermeiden

Von Reitsport

Erfahrungen und Tipps von Sattler Hans Zaugg

Ein passender Sattel ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Pferdes. Bereits kleine Druckstellen oder Ungleichgewichte können dazu führen, dass sich ein Pferd nicht mehr frei bewegt und Verspannungen entwickelt. Gemeinsam mit Sattler  Hans Zaugg haben wir über typische Sattelprobleme, deren Ursachen und wichtige Tipps zur Vorbeugung gesprochen.

Warum ein passender Sattel so wichtig ist

Früher wurden Pferde hauptsächlich als Arbeitstiere genutzt. Heute sind sie für viele Menschen Freizeitpartner und Sportkameraden. Umso wichtiger ist es geworden, auf den Rücken des Pferdes Rücksicht zu nehmen. Ein schlecht passender Sattel kann die natürliche Bewegung stark einschränken und punktuellen Druck verursachen – genau dieser punktuelle Druck gilt laut Hans Zaugg als eines der grössten Probleme.

Besonders kritisch sind harte Stellen in den Sattelkissen oder ungeeignete Materialien wie Latexkissen mit scharfen Kanten. Moderne Wollkissen verteilen den Druck deutlich besser und passen sich dem Pferderücken angenehmer an.

Typische Anzeichen für Sattelprobleme

Viele Reiter bemerken zuerst Veränderungen beim Reiten. Das Pferd läuft nicht mehr locker, wirkt verspannt oder „klemmt“ in der Bewegung. In solchen Fällen wird häufig zuerst der Sattler kontaktiert – manchmal wird zusätzlich ein Osteopath hinzugezogen.

Weitere typische Warnsignale sind:

  • Druckstellen oder Blasen am Widerrist
  • Weisse Haare im Bereich des Sattels
  • Empfindlichkeit beim Satteln
  • Wunden entlang der Wirbelsäule

Besonders bei Pferden mit hohem Widerrist kann ein zu breiter Sattel schnell zu Problemen führen. Beim Springen entstehen dann oft Scheuerstellen oder sogar offene Wunden.

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Nicht nur der Sattel spielt eine Rolle

Oft wird angenommen, dass ausschliesslich der Sattel selbst das Problem ist. Hans Zaugg betont jedoch, dass auch der Gurt eine wichtige Rolle spielt. Ein unpassender oder zu langer Gurt kann dazu führen, dass der Sattel verrutscht. Ein unpassender Gurt gibt viel Druck hinter dem Vorderbein und dies kann die Wendigkeit eines Pferdes beeinflussen.

Auch Zubehör wie Schaffell Pads können helfen, den Druck besser zu verteilen. Besonders bewährt hat sich laut Hans folgende Kombination:

  • Schabracke
  • Schaffellpad
  • Sattel mit breiten Wollkissen

Wenn der Sattel rutscht

Ein nach vorne rutschender Sattel kann oft mit einer korrekt befestigten Vorgurtstrippe oder einem Schweifriemen stabilisiert werden. Rutscht der Sattel hingegen nach hinten, empfiehlt Hans ein passendes Vorgeschirr. Wichtig dabei: Das Vorgeschirr sollte an der Gurtstrippe befestigt werden, nicht nur am Vorderzeugfallring, damit der Sattel hinten nicht angehoben wird.

Regelmässige Kontrolle ist entscheidend

Selbst ein neuer Sattel sollte nach einigen Monaten erneut überprüft werden. Pferde verändern ihre Muskulatur laufend – dadurch kann ein ursprünglich passender Sattel später nicht mehr optimal sitzen. Hans empfiehlt deshalb eine Kontrolle nach etwa einem halben Jahr.

Auch die Sattelkissen sollten regelmässig kontrolliert werden. Mit der Hand lassen sich Unebenheiten oder harte Stellen oft gut ertasten. Durch das tägliche Reiten entstehen mit der Zeit Unebenheiten in der Wolle.

Tipps beim Sattelkauf

Beim Kauf eines neuen Sattels sollte man nicht nur auf die Marke oder Optik achten. Entscheidend sind vor allem die Qualität der Kissen und die Beratung durch eine vertrauenswürdige Fachperson. Hans empfiehlt, gemeinsam mit einem erfahrenen Sattler verschiedene Modelle auszuprobieren und sich beraten zu lassen.

Denn: Ein falscher Sattel macht weder dem Pferd noch dem Reiter Freude. Hilfe und eine zweite Meinung einzuholen, ist deshalb absolut sinnvoll.

Die richtige Pflege verlängert die Lebensdauer

Auch die Pflege spielt eine wichtige Rolle. Die Sattelkissen sollten etwa alle zwei Monate leicht mit hochwertigem Lederöl behandelt werden, damit sie weich und flexibel bleiben. Den Sitz selbst sollte man hingegen nicht mit öligen Produkten behandeln, um Flecken auf der Reitbekleidung zu vermeiden.

Moderne Technologien: Der REV-Sattel

Zum Schluss sprach Hans Zaugg auch über moderne Entwicklungen wie den REV-Sattel. Dieser wurde ursprünglich für Distanzritte entwickelt und verfügt über eine spezielle Federung, welche Stösse sowohl für das Pferd als auch für den Reiter reduziert. Besonders junge oder unerfahrene Reiter profitieren laut Hans von dieser Technologie, da sie den Rücken entlasten kann.

Fazit

Sattelprobleme entstehen oft schleichend. Die Auswirkungen auf das Pferd können jedoch gravierend sein. Umso wichtiger sind regelmässige Kontrollen, eine gute Beratung und das Vertrauen in einen erfahrenen Sattler. Ein passender Sattel sorgt nicht nur für mehr Komfort, sondern auch für langfristige Gesundheit und Freude beim Reiten.

Wie Hans Zaugg selbst sagt:

„Es gibt verschiedene Meinungen von jedem Sattelverkäufer. Aber das sind meine Erfahrungen, die ich gemacht habe.“