Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Hufrehe beim Pferd: Risiken erkennen, erste Anzeichen verstehen und richtig vorbeugen

Von Sabrina

Hufrehe beim Pferd: Risiken erkennen, erste Anzeichen verstehen und richtig vorbeugen


⁠Sattes Gras gehört für viele Pferde ganz selbstverständlich zum Sommer dazu. Doch gerade bei warmem Wetter kann die Weide auch zum Risiko werden. Entscheidend ist dabei weniger das Gras selbst als vielmehr der darin enthaltene Zucker.

Doch wann wird Gras problematisch? Woran lässt sich eine beginnende Hufrehe erkennen? Was passiert dabei eigentlich im Huf und was können Pferdebesitzer tun, um vorzubeugen?

Darüber haben wir in Aachen mit zwei Experten des Schweizer Teams gesprochen: David Aebischer, Teamtierarzt des Schweizer Springteams, und Julien Houser, Hufschmied des Schweizer Teams.


Warum kann Gras zum Risiko für Pferde werden?

Gras ist grundsätzlich ein natürlicher Bestandteil der Pferdefütterung. Das Problem liegt laut David Aebischer vielmehr beim darin enthaltenen Zucker.

Dazu sagt David:

„Eigentlich ist nicht das Gras selbst das Problem. Pferde können Gras fressen und sie brauchen es auch. Das Problem ist der darin enthaltene Zucker.“

Besonders bei warmem Wetter kann der Zuckergehalt im Gras steigen. Dabei weist David insbesondere auf Fruktan hin:

„Bei warmem Wetter grasen die Pferde und der Zuckergehalt im Gras steigt. Der Fruktangehalt nimmt besonders während der warmen Tageszeit zu.“

Auch sehr kurzes und stark abgegrastes Gras sollte dabei nicht unterschätzt werden:

„Wenn eine Weide stark abgegrast ist und nur noch sehr kurzes Gras vorhanden ist, enthält dieses sogar noch mehr Zucker. Das kann für Pferde gefährlich sein.“

Was passiert bei einer Hufrehe im Huf?

Was bei einer Hufrehe tatsächlich im Inneren des Hufes geschieht, erklärt Hufschmied Julien Houser:

„Wenn ein Pferd Hufrehe hat, kommt es zu einer Entzündung der Huflamellen und der Knochen im Inneren des Hufes beginnt, sich etwas zu bewegen. Das ist sehr schmerzhaft.“

Für Julien ist deshalb vor allem eines entscheidend: Tierarzt und Hufschmied müssen gemeinsam handeln.

„Hufrehe ist ein grosses Problem und für das Pferd sehr schmerzhaft. Wir müssen versuchen, diesen Prozess gemeinsam mit dem Tierarzt zu stoppen. Dabei ist Teamarbeit wichtig, um die Situation zu stabilisieren. Das ist zunächst der wichtigste Punkt.“

hufrehe 2.png


Was sind die ersten Anzeichen einer Hufrehe?

Eine Hufrehe muss sich zu Beginn nicht sofort durch eine deutlich sichtbare Lahmheit bemerkbar machen. Gerade die ersten Veränderungen können unscheinbar sein.

David beschreibt die Erkrankung deshalb zu Beginn als „etwas heimtückisch“:

„Am Anfang ist eine Hufrehe etwas heimtückisch. Vielleicht stellt man zunächst lediglich fest, dass ein Huf wärmer ist als die anderen.“

Ein weiteres Warnsignal kann der digitale Puls sein:

„Am nächsten Tag kann der digitale Puls im Bereich der Fessel stärker sein. Das tritt manchmal an den Vorderhufen und seltener an den Hinterhufen auf.“

Im weiteren Verlauf verändert sich häufig auch das Bewegungsverhalten des Pferdes.

„Danach beginnt das Pferd möglicherweise, auf hartem Boden vorsichtig zu laufen und lässt sich auf Wendungen oder Kreisen nicht mehr gut bewegen.“

Bei einer deutlich ausgeprägten Hufrehe kann schliesslich eine typische Entlastungshaltung auftreten:

„Im schlimmsten Fall verlagert das Pferd sein Gewicht deutlich nach hinten und belastet vermehrt die Trachten, um den Druck auf die Hufe zu reduzieren.“

Hufrehe bild.png

Wie kann der Hufschmied einem Pferd mit Hufrehe helfen?

Bei einer akuten Hufrehe geht es zunächst darum, die Situation zu stabilisieren. Dabei muss individuell entschieden werden, welche Massnahmen zu welchem Zeitpunkt sinnvoll sind.

Julien erklärt:

„Wenn das Pferd starke Schmerzen hat und die Hufrehe noch am Anfang steht, kann man zunächst mit Verbänden arbeiten, den Strahl unterstützen und dadurch versuchen, den Knochen im Inneren des Hufes zu stabilisieren und seine Bewegung zu stoppen.“

Ein sofortiger neuer Beschlag steht dabei nicht unbedingt an erster Stelle.

„Am Anfang ist das zunächst ausreichend. Es ist besser, etwas abzuwarten, bis sich die Situation beruhigt hat. Dabei müssen wir eng mit dem Tierarzt zusammenarbeiten, insbesondere hinsichtlich der Schmerzen.“

Erst wenn sich der Zustand des Pferdes verbessert hat, kann über die weitere Bearbeitung beziehungsweise den Beschlag nachgedacht werden:

„Wenn das Pferd wieder etwas besser und weniger lahm ist, können wir beginnen, über den Beschlag nachzudenken. Dabei geht es darum, eine bessere Position zu erreichen und die Durchblutung zu unterstützen.“

Wie lange dieser Prozess dauert, ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich.

„Manchmal beruhigt sich die Situation bereits nach zwei Tagen deutlich, manchmal dauert es zwei Wochen.“

Eine besonders wichtige Grundlage für die weitere Behandlung sind für Julien Röntgenbilder:

„Es ist sehr wichtig, Röntgenbilder anzufertigen, damit man beurteilen kann, wie die Situation aussieht und wo sich der Knochen innerhalb des Hufes befindet.“

Was können Pferdebesitzer tun, um Hufrehe vorzubeugen?

Auch bei der Prävention gibt es verschiedene Faktoren, die Pferdebesitzer im Alltag berücksichtigen können.

Einer davon ist das Körpergewicht. David erklärt:

„Es gibt viele Dinge, die wir tun können, um einer Hufrehe vorzubeugen. Zunächst sollte verhindert werden, dass Pferde übergewichtig werden, denn Übergewicht stellt ein Risiko dar.“

Darüber hinaus sollten insbesondere bei älteren Pferden mögliche Stoffwechselerkrankungen berücksichtigt werden:

„Bei älteren Pferden sollte beispielsweise kontrolliert werden, ob sie an einer Stoffwechselerkrankung wie Cushing leiden. Stoffwechselerkrankungen können eine entsprechende Veranlagung darstellen.“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Weidemanagement. Gerade während der Sommermonate empfiehlt David, die Grasaufnahme bewusst zu steuern:

„Man sollte im Sommer darauf achten, dass die Pferde nicht den ganzen Tag auf der Weide grasen. Es ist wichtig zu verstehen, wann das Gras besonders viel Zucker enthält.“

Für die Weidezeit gibt er eine konkrete Empfehlung:

„Früh am Morgen zu grasen ist ideal. Vor 12 Uhr sollten die Pferde wieder im Stall sein oder beispielsweise auf einem Sandpaddock stehen, wo sie kein Gras fressen können. Stattdessen kann ihnen Heu angeboten werden.“

Auch eine Fressbremse kann laut David eine Möglichkeit sein, die Grasaufnahme zu begrenzen:

„Eine weitere Möglichkeit ist eine Fressbremse, damit die Pferde nicht zu viel Gras aufnehmen.“

Was können Pferdebesitzer für gesunde Hufe tun?

Neben Fütterung, Gewicht und Weidemanagement spielt auch eine regelmässige und fachgerechte Hufbearbeitung eine wichtige Rolle.

Für Julien steht dabei vor allem die Balance des Hufes im Mittelpunkt:

„Eine gute Balance des Hufes ist wichtig. Dafür sollte das Pferd regelmässig beschlagen oder ausgeschnitten werden, etwa alle vier bis fünf Wochen und spätestens nach sechs Wochen.“

Eine ungünstige Hufbalance ist dabei nicht automatisch die Ursache einer Hufrehe. Besteht jedoch bereits ein Problem, kann sie die Situation zusätzlich erschweren.

Julien erklärt:

„Wenn die Zehe zu lang ist und sich die Trachten nicht an der richtigen Position befinden, ist das zwar nicht die Ursache einer Hufrehe. Wenn beim Pferd jedoch ein Problem entsteht und der Huf gleichzeitig nicht gut ausbalanciert ist, hilft das der Situation nicht.“

Seine Empfehlung für die tägliche Hufgesundheit ist deshalb klar:

„Das regelmässige Ausschneiden und Beschlagen zum richtigen Zeitpunkt ist sehr wichtig. Der Huf sollte gut ausbalanciert und nicht zu kurz ausgeschnitten werden.“

Hufrehe: Früh erkennen und gemeinsam handeln

Hufrehe kann sich zunächst durch kleine Veränderungen bemerkbar machen. Ein ungewöhnlich warmer Huf, ein stärker fühlbarer digitaler Puls oder vorsichtige Schritte auf hartem Boden können erste Hinweise sein.

Gleichzeitig zeigen die Empfehlungen von David Aebischer und Julien Houser, dass Pferdebesitzer bereits im Alltag an verschiedenen Punkten ansetzen können. Ein gesundes Körpergewicht, die Kontrolle möglicher Stoffwechselerkrankungen, ein bewusstes Weidemanagement und eine regelmässige Hufbearbeitung sind wichtige Bestandteile der Prävention.

Kommt es dennoch zu einer Hufrehe, ist insbesondere die Zusammenarbeit entscheidend. Tierarzt und Hufschmied betrachten das Problem aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven und können gemeinsam daran arbeiten, den Huf zu stabilisieren und das Pferd bestmöglich zu unterstützen.