Das Wunder in den Startlöchern: Ein Leitfaden für die Fohlensaison

Von Lilian
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Es gibt diesen einen Moment im Jahr, in dem die Zeit im Stall stillzustehen scheint. Wenn die Nächte länger werden, der Blick öfter auf die Überwachungskamera wandert und jedes leise Schnauben der Stute das Herz höher schlagen lässt. Ein Fohlen zu ziehen ist mehr als nur Zucht. Es ist ein Versprechen an die Zukunft, ein Abenteuer voller Hoffnung und pure Faszination für das Leben.

Doch mit der Vorfreude wächst auch die Verantwortung: 

  • Wie bereiten wir unsere Stute optimal vor? 
  • Und welcher Weg ist der richtige für die Geburt?

Die Zielgerade: Kraftfutter für zwei

In den letzten drei Monaten der Trächtigkeit vollbringt der Körper deiner Stute Höchstleistungen. Das Fohlen wächst rasant, und der Nährstoffbedarf explodiert förmlich. Da der Platz im Bauch aber begrenzt ist, gilt:  Nährstoffdichte vor Futtermenge.

Meine Fütterungstipps:

- Das Kraftpaket: Nutze ein spezialisiertes Zuchtfutter wie das  Marstall Zuchtmüsli oder  St. Hippolyt Equilac (Zuchtstutenmüsli) Diese liefern die nötige Energie und hochwertiges Eiweiss, ohne den Magen zu überfüllen.

- Der Knochenschutz & Vital-Komplex : Um das Skelett des Fohlens von Anfang an optimal zu unterstützen, ist eine gezielte Mineralisierung essenziell. Das Bluechip Mare & Foal (Youngstock) Powder ist hier die ideale Wahl, um Mangelerscheinungen vorzubeugen und gleichzeitig durch hochwertige Nährstoffe ein gesundes, gleichmäßiges Wachstum zu fördern.

- Verdauungs-Wellness: Ein warmes  St. Hippolyt Irish Mash einmal pro Woche (und direkt nach der Geburt!) hält die Verdauung in Schwung und ist pure Seelennahrung für die werdende Mama.

Die grosse Entscheidung: Geburtsbegleitung im vertrauten Heim oder bei Profis?

Wenn der Geburtstermin näher rückt, stellt sich die Frage nach dem optimalen Ort. Es gibt hier kein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern nur die Entscheidung, was für dich, deine Stute und deine Lebensumstände am besten passt.

1. Das „Heimspiel“: Abfohlen im eigenen Stall

Die Geburt im gewohnten Umfeld ist für viele Besitzer ein hoch emotionales und schönes Erlebnis.

- Vertrautheit: Die Stute bleibt in ihrer gewohnten Herde (oder Box) und bei ihren Bezugspersonen. Es gibt keinen Transportstress.

- Stall-spezifische Keime: Die Stute hat bereits Antikörper gegen die Bakterien in deinem Stall gebildet und gibt diese über die Biestmilch direkt an das Fohlen weiter.

- Die Bindung: Du bist in der ersten Sekunde dabei, wenn das neue Leben das Licht der Welt erblickt.

Was man bedenken sollte: Du trägst die volle Verantwortung für die Nachtwache (Geburtsmelder oder Kamerasysteme sind hier unerlässlich). Zudem muss ein erfahrener Tierarzt in Rufbereitschaft sein, der innerhalb von Minuten vor Ort sein kann.

2. Die „Wellness-Klinik“: Betreuung auf einer Abfohlstation

Statt von „weggeben“ zu sprechen, kann man es eher als  „Rundum-Sorglos-Paket“ betrachten. Viele Gestüte oder spezialisierte Tierkliniken bieten diesen Service an.

- 24/7 Profi-Überwachung: Geschultes Personal und Überwachungssysteme sorgen dafür, dass kein Moment verpasst wird. Erfahrene Geburtshelfer wissen sofort, wann sie eingreifen müssen und wann die Natur einfach Zeit braucht.

- Sofortige medizinische Hilfe: Falls Komplikationen auftreten (z.B. eine Fehllage des Fohlens), ist die Hilfe bereits im Haus. Das spart wertvolle Zeit, die im Notfall über Leben und Tod entscheiden kann.

- Sozialisierung: Oft sind auf diesen Stationen mehrere Fohlen. Das bietet die perfekte Chance für das „Fohlen-Kindergarten“-Erlebnis, sobald die Kleinen alt genug für die Weide sind.

Wichtiger Hinweis: Wenn du dich für eine Station entscheidest, sollte die Stute etwa  12 bis 16 Wochen vor dem Termin umziehen. So hat ihr Immunsystem genug Zeit, sich auf die neue Umgebung einzustellen und die passenden Antikörper für das Fohlen zu bilden. 

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Der grosse Moment: Die Phasen der Geburt

Eine Pferdgeburt verläuft meistens nachts und erstaunlich schnell. Es hilft ungemein, die drei Phasen zu kennen, um ruhig zu bleiben:

1. Die Eröffnungsphase (Dauer: 1–4 Stunden)

Die Stute wird unruhig. Sie flehmt, läuft viel umher, legt sich hin, steht wieder auf und schwitzt oft an den Flanken. Das Fohlen bringt sich in die richtige Position.

  • Was du tun kannst: Ruhe bewahren und aus der Distanz (Kamera) beobachten. Die Stute braucht jetzt keine Zuschauer, sondern Sicherheit und sollte wenn möglich für sich alleine sein. 

2. Die Austreibungsphase (Dauer: 15–30 Minuten)

Sobald die Fruchtblase platzt ("Blasensprung"), geht alles ganz schnell. Die Stute legt sich meist in Seitenlage und presst.

  • Wichtig: Zuerst müssen die beiden Vorderhufe (einer leicht versetzt vor dem anderen, die Sohlen zeigen nach unten!) und dann die Nase erscheinen.
  • Wann eingreifen? Wenn nach massivem Pressen über 20 Minuten nichts vorwärts geht oder nur ein Bein (oder gar der Schwanz) erscheint:  Sofort den Tierarzt rufen!

3. Die Nachgeburtsphase

Nachdem das Fohlen da ist, bleibt die Stute oft noch einen Moment liegen – das ist wichtig, damit noch Blut aus der Plazenta in das Fohlen pulsieren kann. Innerhalb von maximal 3 Stunden muss die Nachgeburt vollständig ausgeschieden sein.

  • Profi-Tipp: Knote die herabhängende Nachgeburt vorsichtig mit einem Strohband hoch, damit die Stute nicht darauf tritt und sie abreisst. Bewahre die Nachgeburt in einem Eimer auf, damit der Tierarzt später prüfen kann, ob sie vollständig ist (eine verbleibende "Plazentareste" können zu lebensgefährlicher Rehe führen).

Die magische erste Mahlzeit: Biestmilch (Kolostrum)

Das Fohlen wird ohne eigenes Immunsystem geboren. Die erste Milch der Stute, das  Kolostrum , enthält alle lebenswichtigen Antikörper.

  • Das Fohlen sollte innerhalb der ersten  2 Stunden trinken.
  • Sollte die Stute zu wenig Milch haben oder das Fohlen zu schwach sein, gibt es Notfall-Kits (z.B. Colostra 24 bei reitsport.ch), die man als "Sicherheitsnetz" im Schrank haben kann.

Die Fohlen-Apotheke: Das sollte bereitstehen

Um für den Tag X gerüstet zu sein, empfehle ich dir, eine kleine Box vorzubereiten:

- Nabeldesinfektion: Jodlösung oder ein spezielles Nabelspray.

- Klistier (Einlauf): Um dem Fohlen beim Absetzen des Darmpechs (Mekonium) zu helfen, falls es sich schwertut.

- Saubere Handtücher: Um das Fohlen bei Bedarf trocken zu reiben, falls die Mutter zu erschöpft ist.

- Telefonnummern: Tierarzt und eine erfahrene Begleitperson auf Kurzwahl.

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Nach der Geburt: Der Fahrplan für die ersten Tage

Wann geht es das erste Mal auf die Weide?

Hier gilt:  So früh wie möglich, aber mit Verstand.

  • Tag 1-2: Wenn die Geburt unkompliziert war und das Wetter mitspielt, sollte das Duo bereits am ersten oder zweiten Tag für ein paar Minuten (ca. 15–30 Min.) an die frische Luft – idealerweise auf ein sauberes, ebenes und sicher eingezäuntes Stück Wiese oder ein Paddock.
  • Bewegung ist Medizin: Die Bewegung hilft der Stute bei der Reinigung der Gebärmutter und dem Fohlen, die Sehnen und Gelenke zu stärken.
  • Vorsicht bei Wetter: Fohlen können ihre Körpertemperatur noch nicht gut regulieren. Dauerregen oder eiskalter Wind sind in den ersten Tagen tabu.

Was braucht die Stute jetzt? (Die Hochleistungs-Phase)

Die Milchproduktion ist für den Körper der Stute anstrengender als die Trächtigkeit selbst. Sie ist jetzt eine "Hochleistungssportlerin".

  • Wasser ohne Ende: Eine säugende Stute trinkt bis zu doppelt so viel wie normal. Achte darauf, dass die Tränke immer sauber ist und genug Durchfluss hat.
  • Energie-Boost: Die Stute braucht jetzt deutlich mehr Energie. ⁠ Produkt-Tipp von reitsport.ch:   St. Hippolyt Equilac (Zuchtstutenmüsli) ist speziell darauf ausgelegt, die Milchqualität zu verbessern und die Stute davor zu bewahren, "abzuschmelzen" (zu dünn zu werden).
  • Mineralstoffe: Die Stute gibt alles über die Milch ab. Damit ihre eigenen Knochen und Zähne nicht leiden, ist ein hochwertiges Mineralfutter oder ein gezieltes Zuchtmineral sinnvoll.

Ab wann frisst das Fohlen mit?

In den ersten Wochen ist Muttermilch die Hauptnahrungsquelle. Aber:

  • Neugierde: Schon nach wenigen Tagen fangen die Kleinen an, bei Mama am Heu oder am Kraftfutter mit knabbern. Das ist gut und wichtig für die Darmflora!
  • Eigenes Futter: Ab der ca. 4. Woche reicht die Muttermilch allein oft nicht mehr aus, um den Bedarf an speziellen Mineralstoffen für das Knochenwachstum zu decken. ⁠ Produkt-Tipp von reitsport.ch: Fohlengold Classic . Das sind winzige Pellets, die perfekt auf den kleinen Fohlenmund abgestimmt sind. Sie helfen, Wachstumsstörungen vorzubeugen.

Mein persönlicher Tipp:

"Vertraue auf die Natur", aber sei vorbereitet. Die meisten Geburten verlaufen völlig reibungslos. Deine wichtigste Aufgabe ist es, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen und nur dann einzugreifen, wenn es wirklich nötig ist. "Manchmal ist das Schwerste am Züchterdasein, einfach nur dazustehen und die Hände in den Taschen zu lassen."

"Beobachte deine Stute genau." Wenn sie ein glanzloses Fell bekommt oder die Rippen zu stark sichtbar werden, fütterst du zu wenig Energie. Die Milchproduktion geht immer vor – die Stute gibt ihre letzte Reserve für das Fohlen. Es ist unser Job, dafür zu sorgen, dass sie dabei nicht auf der Strecke bleibt."

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