Aus Narben werden Wunder: Perras langer Weg zurück
Perras langer Weg zurück
Erinnert ihr euch an meinen letzten Beitrag? Der Schock über Perras schweren Sturz auf dem Asphalt sass tief. Nach vier bangen Tagen in der Pferdeklinik durfte ich sie endlich wieder nach Hause holen. Doch damit fing die eigentliche Geduldsprobe erst an. Die Wundheilung am Pferdebein ist ein Marathon, kein Sprint – und oft ein Test für die eigenen Nerven.
Heute möchte ich euch zeigen, wie wir den Übergang von der klinischen Pflege zur Stallreha geschafft haben und warum bei der Wundversorgung beim Pferd manchmal „weniger mehr ist“.
Wenn die Hoffnung Geduld braucht
Zuhause angekommen, begann der Alltag zwischen Hoffen und Bangen. Wer sein Pferd liebt, leidet jede Sekunde mit. Jedes Mal, wenn ich Perras Wunden versorgte, war da diese bohrende Angst: Wird es jemals wieder gut? Die Löcher an den Fesseln waren gross, die Haut zerfetzt und die Ungewissheit mein ständiger Begleiter. In solchen Momenten ist eine gut sortierte Stallapotheke nicht nur eine Hilfe, sondern gibt einem das Gefühl, wenigstens etwas tun zu können.
Zwischen Schulmedizin und Mutter Natur: Unser Weg
In dieser Zeit habe ich gelernt, dass Heilung nicht nur im Medizinschrank stattfindet, sondern vor allem im Vertrauen.
Mut zur Lücke – und zur frischen Luft
Ende März kam der Moment, in dem mein Bauchgefühl sagte: Wir müssen etwas ändern. Wir hörten auf mit den schweren, täglichen Verbänden, die alles luftdicht umschlossen. Wir wagten den Schritt zur Freiheit: Ein hauchdünner Schutz für die Weide, weiche Ruhebandagen für die Nacht, aber dazwischen? Ganz viel Luft.
Diesen Anblick der offenen Wunden auszuhalten, erfordert Mut . Doch die Natur ist ein Wunderwerk. In Kombination mit hochwertigem Verbandsmaterial begann die Haut an der Luft endlich zu arbeiten und sich zu regenerieren.
Sanfte Helfer für eine starke Kämpferin
Neben der ärztlichen Betreuung haben wir unser Heil in der Natur gesucht. Es war ein Zusammenspiel der Kräfte:
- Aktivkohle: Um die Wunde sanft zu reinigen und Entzündungsstoffe förmlich „herauszuziehen“.
- Calendula & Arnika: Unsere treuen Begleiter in Form von Tropfen und Globuli, um den Körper von innen heraus zu unterstützen.
- Hingabe: Jede Minute, die ich mit dem Reinigen verbracht habe, hat unsere Bindung gestärkt.
Doch der Weg war nicht geradlinig. Besonders schwer war der Moment Mitte April. Wir dachten, wir seien über dem Berg, doch dann wucherte das Gewebe so stark, dass der Tierarzt das wilde Fleisch erneut wegschneiden musste. Es fühlte sich an wie ein schmerzhafter Rückschlag, ein kleiner Riss in der Hoffnung.
FAQ: Was ich heute über die Wundpflege beim Pferd weiss
Wenn du heute vor deinem verletzten Pferd stehst und nicht mehr weiterweisst, möchte ich dir drei wertvolle Tipps mitgeben:
1. Wann braucht ein Pferd einen Verband?
Hör auf dein Pferd und beobachte die Wunde genau. Manchmal braucht sie Schutz vor Schmutz, manchmal braucht sie den Sauerstoff zum Heilen. Die richtige Balance zwischen Schutz durch Bandagen & Unterlagen und Freiheit ist der Schlüssel zum Erfolg.
2. Die Mischung macht’s: Schulmedizin & Natur
Schulmedizin rettet in der Klinik Leben, aber die Natur unterstützt die langfristige Heilung. Zinksalben, Calendula-Extrakte und sanfte Wundreinigung aus der Stallapotheke sind im Alltag Gold wert.
3. Dokumentiere den Fortschritt
Mache jeden Tag Fotos! In dunklen Momenten, wenn man meint, es gehe nichts voran, hilft ein Blick auf die Bilder vom ersten Tag. Du wirst staunen, was der Körper deines Pferdes mit deiner Hilfe leisten kann
Das schönste Geschenk: Ein gerades Pferd und der erste Ausritt
In all den Wochen des Bangens gab es eine Sache, für die ich unendlich dankbar war: Perra war von Anfang an gerade. Trotz der tiefen Löcher und der operativen Eingriffe lief sie immer taktrein auf allen vier Beinen. Das war mein Lichtblick, an dem ich mich an dunklen Tagen festgehalten habe.
Am 25. April war es dann endlich so weit. Nachdem die Heilung so weit fortgeschritten war, dass auch ein frischer Beschlag wieder möglich wurde, durfte ich mich das erste Mal wieder in den Sattel schwingen.
Was soll ich sagen? Perra war einfach toll. Sie war motiviert, wach und schien es genauso zu geniessen wie ich, endlich wieder die Welt ausserhalb des Stalls zu sehen. Auch wenn die Wunden noch lange nicht komplett geschlossen sind und uns die tägliche Pflege aus der Stallapotheke noch eine ganze Weile begleiten wird – wir sind zurück.
Perra ist fit, sie ist klar im Kopf und sie ist bereit für neue Abenteuer im Gelände.
Dieser Weg hat uns gezeigt: Mit viel Liebe, der richtigen Pflege und einer Prise Geduld heilen nicht nur Wunden, sondern es wächst ein noch tieferes Vertrauen.